Woher wissen wir Menschen eigentlich, was wir wissen? Woher weiß zum Beispiel Paul, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht anders herum. Oft sagen Menschen, sie wissen etwas, weil sie es in der Schule gelernt oder im Fernsehen gesehen haben. Vielleicht haben sie es auch von jemand anderem gelernt, den sie respektieren. Andere haben neueste wissenschaftliche Untersuchungen zu Rate gezogen. Allerdings ist Wissenschaft auch immer nur von Menschen gemacht und wissenschaftliche Erkenntnisse können sich und werden sich im Laufe der Zeit[1] verändern. Dies gilt insbesondere für das wissenschaftliche Arbeiten, das gesellschaftliche oder menschliche Phänomene untersucht.

Methoden der Wissensgenerierung in der Wissenschaft

Um Erkenntnisse über einen bestimmten Bereich zu gewinnen, bedient sich die Wissenschaft unterschiedlicher Methoden[2]. Diese Methoden sind vergleichbar mit den Werkzeugen eines Handwerkers[3]. Der Handwerker benötigt unterschiedliche Werkzeuge, je nach dem, was repariert werden soll. Wissenschaft nutzt auch immer andere Methoden, die abhängig von dem untersuchten Bereich sind[4]. Eine bestimmte wissenschaftliche Methode mag besonders gut sein, um einen bestimmten Bereich zu untersuchen, gleichzeitig könnte sie aber auch besonders schlecht sein, um einen anderen Bereich zu erforschen. Durch das Mikroskop kann man beispielsweise Zellstrukturen relativ scharf erkennen, aber es eignet sich nicht dazu, den gesamten menschlichen Körper wahrzunehmen. Das gleiche Prinzip gilt auch für sozialwissenschaftliche Untersuchungen und deren Methoden. Mit quantitativen Methoden (z.B. Umfragen) kann man recht gut und einfach herausfinden, wie viele Menschen eine bestimmte Meinung vertreten und vielleicht sogar, warum sie dieser Meinung sind. Was man durch diese Methodik nur schwer herausfinden kann ist, was diese Meinung für eine spezielle Person bedeutet. Genau diese Perspektive interessiert uns hauptsächlich in dem Veteranen-Forschungsprojekt. Durch die Interviews möchten wir eure ganz persönliche und subjektive Sichtweise verstehen. Diese Herangehensweise bedient sich im Fachjargon „qualitativer Methoden“.

Abbild diverser Literatur zum Thema Qualitative Forschung

Lektüre zur qualitativen Methode (Bildrechte: Casey Fiesler)

Die qualitative Methodik der Wissensgenerierung

Wilhelm Wundt einer der Gründer der modernen Psychologie meinte, dass die Lebenswelt und die Sinnstrukturen in denen Menschen leben, nicht nur durch quantitative Forschung (Umfragen, klassische klinische Forschung) verstanden werden können. Um Lebenswelten und Sinnstrukturen zu erfassen, müsse man qualitative Forschungsmethoden nutzen[5]. Anders ausgedrückt: qualitative Forschung versucht herauszufinden, wie Menschen die Welt um sich herum und in sich selbst wahrnehmen und verstehen[6]. Qualitative Forschung ist demnach normalerweise nicht an objektiver Wirklichkeit, im naturwissenschaftlichen Sinn, interessiert, sondern an der subjektiven Wirklichkeit, nämlich, an Erfahrungen, Gedanken, Wahrnehmungen und sozialen Zusammenhängen sowie Sinnzusammenhängen. Zudem beschäftigt sich qualitative Forschung damit, wie all jene subjektiven Erfahrungen und Prozesse miteinander verflochten sind. Diese subjektiven Perspektiven werden nicht mit „objektiven“[7] Realitäten abgeglichen, sondern die Forscher versuchen, den subjektiven Sinn zu verstehen und möglichst in aller Vielfalt und Komplexität wiederzugeben[8]. Genau das versuchen wir auch in diesem Projekt.

Wer Lust hat, sich etwas intensiver mit der Thematik zu befassen, hier ein kleiner Internetlink zu dem Thema. Viel Spaß!

[1] Popper, K.R. (2009). Vermutungen und Widerlegungen: Das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis. Tübingen: Mohr Siebeck.

[2] Hobmair, H. (1992). Psychologie. Köln: Stam Verlag.

[3] Diekmann, A. (2002). Empirische Sozialforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Hamburg: Rowolt Taschenbuch Verlag.

[4] Eatough, V. (2012). Introduction to qualitative methods. In Breakwell, G.M., Smith, J.A., & Wright, D.B. (Hgg). Research methods in psychology (ss. 321-441). London: Sage.

[5] Wikipedia. Qualitative research. Unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Qualitative_research.

[6] Eatough, V. (2012). Introduction to qualitative methods. In Breakwell, G.M., Smith, J.A., & Wright, D.B. (Hgg). Research methods in psychology (ss. 321-441). London: Sage.

[7] Sofern es so etwas wie objektive Realitäten gibt. Auch hier, wie fast überall im sozialwissenschaftlichen Bereich, gibt es ein recht breites Meinungsspektrum.

[8] Eatough, V. (2012). Introduction to qualitative methods. In Breakwell, G.M., Smith, J.A., & Wright, D.B. (Hgg). Research methods in psychology (ss. 321-441). London: Sage.

 

(Bildrechte des Titel-Beitragsbildes: David Mulder)

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